Der kritische Agrarbericht 2016

Der KRITISCHE AGRARBERICHT 2016 ist soeben online gegangen!

Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentierte das AgrarBündnis den Kritischen Agrarbericht 2016. Schwerpunkt des 320 Seiten starken Jahrbuches ist das Thema „Wachstum“.

Der kritische Agrarberichagrarberichtt“ wird seit 1993 alljährlich vom AgrarBündnis e.V. herausgegeben, einem Zusammenschluss von derzeit 24 Verbänden der bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft, des Umwelt- und Naturschutzes, des Tierschutzes, der Entwicklungszusammenarbeit sowie der Kirchen. „Der kritische Agrarbericht“ dokumentiert die ganze thematische Breite der agrapolitischen Debatte eines Jahres vor dem Hintergrund der europäischen und weltweiten Entwicklung.

Auszug aus der Presseinformation

Frieder Thomas, Geschäftsführer des Bündnisses von 25 Verbänden aus Landwirtschaft-, Umwelt-, Tier-und Verbraucherschutz sowie Entwicklungsarbeit, wies auf die aktuelle Krise der Landwirtschaft hin und machte deutlich: „Betriebliches Wachstum und Rationalisierung sind keine Allheilmittel zur Krisenbewältigung mehr. Dieses Wachstum kann die Existenz der Höfe nicht garantieren, gefährdet Ressourcen, dient nicht dem Tierwohl und schadet der Ernährungssouveränität von Entwicklungsländern.Auch Wachstumsbetrieben fällt es immer schwerer, sich auf die ständig schwankenden und tendenziell eher sinkenden Erzeugerpreise einzustellen. Wachstum ist auch in der Landwirtschaft längst kein Indikator mehr für Wohlstand. Und auch die versprochene ‚Entkopplung‘der wirtschaftlichen Entwicklung vom Ressourcenverbrauch, die als ‚grünes Wachstum‘verkauft wird, findet kaum statt.

Qualitätsoffensive notwendig“

Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Neuland-Schweinemäster,machte für die starken Einkommensverluste die bisherige Exportausrichtung verantwortlich: „Bundesminister Schmidt und der Bauernverband haben stets von wachsenden kaufkräftigen Exportmärkten für Milch und Schweinefleisch geredet und die Agrarpolitik danach ausgerichtet. Seit anderthalb Jahren bezahlen die Bauern nun dafür, dass diese Vorhersagen falsch sind. Molkerei- und Schlachtkonzerne steigern zwar ihre Exporte; aber auf Kosten der Bauern, die für Milch, Ferkel und Schweinefleisch Preise weit unterhalb ihrer Kosten erhalten. Die Exportsubventionen der EU haben wir endlich abgeschafft, nun verbilligen die Dumpingpreise an die Bauern die Exporte der Ernährungsindustrie“, kritisierte Schulz. Von Bundesminister Schmidt forderte er eine „Qualitätsoffensive“. Die Nachfrage nach regional, tierschutz- und umweltgerecht erzeugten Lebensmitteln von bäuerlichen Betrieben wachse. Das biete weit bessere Perspektiven als das Setzen auf Weltmarktanteile. Freihandelsabkommen schaden den Landwirten und gefährden errungene Umwelt- und Lebensmittelstandards. Auch eine weitere Liberalisierung des Handels wird nicht helfen: „Die Verlierer von TTIP werden vor allem Europas Landwirte sein, aber auch und die Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks“, sagte Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Ein Gedanke zu „Der kritische Agrarbericht 2016

  1. Josef Hoppichler, Mitarbeiter der Bundesanstalt für Bergbauernfragen schreibt dazu:
    Im einem Einleitungsartikel (Seite 20) haben wir es schriftlich von Stephan Börnecke,  einem Redakteur  der Frankfurter Rundschau, bestätigt bekommen, dass die BA für Bergbauernfragen zweifellos eine ‚revolutionäre Zelle‘ sein muss.
     „Der Mann ist gewiss weder Marxist noch Kommunist. Doch was der Experte von der österreichischen Bundesanstalt für Bergbauernfragen fordert, könnte aus den Programmen sozialistischer Kader entstammen: »Reclaim the fields«, freier Zugang zum Boden, das verlangt der Mann aus Wien. Denn die heutigen Besitz- und Eigentumsstrukturen verhinderten, dass eine neue Generation von Bauern mit neuen Ideen, klugen Gedanken, mit Innovationen, Experimentierfreudigkeit, mit ökologischer Verantwortung ans Werk kommt. »Keine Chance«, beklagt er….“
    Der zugehörige Fachartikel über „bäuerliche Ökonomnie“ liest sich dann ein wenig sachlicher.
    Aber, wie man sieht: Rein aus „Revolutionsangst“ versucht das BMLFUW uns von der BA für Bergbauernfragen jetzt in kleine Dachkammern zu verbannen.
    Doch wie man aus der Geschichte weiß: ‚Abgeschobene Revolutionäre‘ kommen immer wieder zurück – und das scheint angesichts des ungerechten Zustandes der Agrarpolitik und angesichts agrarökologischer Desaster (siehe z.B. Bienensterben, oder ein ‚wahrscheinlich krebserregenden‘ Glyphosat, Gentechnik, TTIP usw. ) auch notwendig zu sein.
    Deshalb würde es mich auch freuen, wenn der KRITISCHE AGRARBERICHT 2016 auch in Österreich und der Schweiz seine Resonanz und viele LeserInnen finden würde.

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