Ernährungssouveränität


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Ernährungssouveränität ist das Recht der Völker auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. Sie ist das Recht auf Schutz vor schädlicher Ernährung. Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen. Ernährungssouveränität stellt die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, (...). Sie verteidigt das Wohlergehen kommender Generationen und bezieht sie ein in unser vorsorgendes Denken. Sie ist eine Strategie des Widerstandes und der Zerschlagung derzeitiger Handels- und Produktionssysteme, die in den Händen multinationaler Konzerne liegen. Die Produzierenden sollen in ihren Dörfern und Ländern ihre Formen der Ernährung, Landwirtschaft, Vieh- und Fischzucht selbst bestimmen können. Ernährungssouveränität stellt lokale und nationale Wirtschaft und Märkte in den Mittelpunkt. (…). Ernährungssouveränität fördert transparenten Handel, der allen Völkern ein gerechtes Einkommen sichert und den KonsumentInnen das Recht verschafft, ihre Nahrungsmittel zu kontrollieren. Sie garantiert, dass die Nutzungsrechte auf Land, auf Wälder, Wasser, Saatgut, Vieh und Biodiversität in den Händen jener liegen, die das Essen erzeugen. Ernährungssouveränität bildet und stützt neue soziale Beziehungen ohne Unterdrückung und Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, Völkern, ethnischen Gruppen, sozialen Klassen und Generationen.

Wissenschaftliche Arbeiten zu Ernährungssouveränität zeigen, wie wichtig dieses Konzept für ein zukunftsfähiges Lebensmittelsystem und die Gesellschaft ist.

Um Ernährungssouveränität zu unserem Recht zu machen, sind einige Vorbedinungen notwendig, die es zu erkämpfen gilt. Es braucht (i) neue Modelle der Lebensmittelproduktion und (ii) Verteilung von Lebensmitteln, (iii) gerechte Arbeits- und soziale Verhältnisse, (iv) gerechter Zugang zu natürlichen Ressourcen und (v)eine Agrarpolitik von unten.

I Zukunftsfähige Produktionsweise von Lebensmitteln

Im Rahmen von Ernährungssouveränität treiben wir ein ökologisches Modell der Nahrungsmittelbereitstellung voran. Überall in Europa entwickeln und unterstützen wir lokale Nahrungsmittelsysteme, tauschen wir lokales Saatgut, realisieren wir die bäuerlichen Rechte, bauen wir die Fruchtbarkeit unserer Böden auf, stärken wir die Widerstandsfähigkeit lokaler Produktion und von Nahrungsmittelnetzwerken.

II Gerechte Verteilung von Lebensmitteln

Um neue Märkte zu schaffen, müssen wir sowohl Bauern und Bäuerinnen, als auch jene (aus)bilden, die ihre Produkte kaufen. Bauern und Bäuerinnen brauchen Weiterbildungen in Bezug auf alternative Verteilungssysteme und Verarbeitung auf den Höfen, angeleitet durch jene, die dies selbst bereits praktizieren. Darüber hinaus braucht es mehr Solidarität unter Bauern und Bäuerinnen, um diese für den Widerstand gegen die Dominanz von Märkten durch Konzerne und durch vertikale Integration zu ermächtigen. Umgekehrt müssen wir auch die Öffentlichkeit über die Bedeutung von lokalen Nahrungsmittelsystemen aufklären. Wir werden diesen Wandel der Kultur nicht nur durch Kampagnen in der Öffentlichkeit allein erreichen, sondern auch dadurch, dass wir Kinder in Schulen bereits in jungen Jahren über das Nahrungsmittelsystem bilden.

Alternativen

III Gerechte Arbeits- und soziale Verhältnisse

Wir fordern Bewegungsfreiheit für alle Menschen, die Regulierung von allen undokumentierten ArbeiterInnen, bessere Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit für alle, sowie Zugang zu genügend, gesunden und kulturell angepassten Nahrungsmitteln. Dies erfordert Arbeits- und Migrationspolitiken, die mit Ernährungssouveränität im Einklang stehen, die soziale Sicherheit ebenso schaffen wie würdige Einkommen für Bauern und Bäuerinnen und die die bäuerliche Landwirtschaft stärken. Besonderes Augenmerk muss dabei auf die Rechte von Frauen, der Jugend und von ArbeiterInnen gelegt werden. Dies könnte durch die Umsetzung eines europäischen Mindestlohns und gesetzlicher Schutzbestimmungen sowie durch Regulierungen erreicht werden, die alternative (nicht-traditionelle, kollektive) Formen der Landwirtschaft ermöglichen.

IV Recht auf natürliche Ressourcen und Gemeingüter

Ernährungssouveränität in Europa muss den Menschen die Möglichkeit geben, darüber zu entscheiden, wie und durch wen landwirtschaftliche Ressourcen – angefangen von Land und Wasser, über Saatgut und Tierbestände – gepflegt und verwaltet werden. In Eu- ropa haben sich die Kommodifizierung (Zur-Ware-Werden) und Privatisierung von natürlichen Ressourcen sowie finanzielle Spekulation auf extreme Weise ausgeweitet, was die Möglichkeit der Umverteilung von Gemeingütern durch demokratische Prozesse verhindert. Wir beobachten derzeit, dass der Mangel an Regulierung dieser Märkte zu einer immer geringeren Zahl der Akteure im Nahrungsmittelsystem führt, während transnationale Konzerne wachsen. Zudem verunmöglichen die geringen Einkommen in der Landwirtschaft in den meisten Fällen den Zugang zu diesen Ressourcen, insbesondere Land. Das Verschwinden von Tausenden von europäischen Bauern und Bäuerinnen jede Woche, die Konzentration von Ressourcen bei Großbauern und die Landflucht zeigen, dass ein Wandel dringend vonnöten ist.

V Agrarpolitiken selbst bestimmen

Die gegenwärtigen europäischen und globalen Politiken haben tiefgreifende Auswirkungen, indem sie die lokale und nationale Kontrolle über Nahrungsmittelsysteme verringern. In Europa sind Ernährung und Landwirtschaft durch ein kompliziertes Labyrinth von Politiken auf globaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene betroffen. Eine den Prinzipien der Ernährungssouveränität entsprechende Neuorientierung europäischer und globaler Politiken bedarf Reformen, die sich sowohl auf die Entstehungsprozesse, als auch auf die Inhalte der Politiken beziehen. Derzeit werden Konzerninteressen vor die Interessen von Gemeinschaften und KleinproduzentInnen gestellt. Diese Politiken, welche weitestgehend von den Ansprüchen transnationaler Konzerne beeinflusst sind, haben widerstandsfähigen Agrar- und Nahrungsmittelsystemen schweren Schaden zugefügt. Und das, obwohl diese Systeme am besten geeignet sind, die Herausforderungen, die sich angesichts systemischer Krisen durch die neoliberale Globalisierung stellen, zu bewältigen.

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