„We are powerful, we are not alone!“

Nyeleni Cluj Tage 4&5

Österreichische Delegation 2016

Österreichische Delegation in Cluj 2016

Projekte und Kampagnen

Das rumänische Nyéléni-Wochenende steht ganz im Zeichen der Planung von Projekten und Kampagnen. Ich bin Teil jener Fraktion, die sich mit möglichen Projekten rund um lokale Verteilungssysteme beschäftigt. Eine Gruppe steckt die Köpfe zusammen, um eine europaweite Kampagne für den Tag der Kleinbäuerinnen und –bauern am 17. April, ins Leben zu rufen. Sie hat vor, verschiedene Geschichten zu erzählen, die die positiven Beziehungen zwischen Erzeuger_innen und Verbraucher_innen entlang der Wertschöpfungskette aufzeigen. Eine andere Kleingruppe sieht das Mapping bestehender Ernährungssouveränitätsaktivitäten als ihren Ausgangspunkt, um die Sichtbarkeit der Bewegung zu erhöhen sowie den Erfahrungsaustausch zwischen den einzelen Initiativen zu fördern. Daneben werden Flashmobs besprochen, Pläne zur Boykottierung von Supermärkten geschmiedet und die Vernetzung bzgl. bestehender Kampagnen gegen TTIP und CETA vorangetrieben.

In allen Ecken der transylvanischen Zeltlandschaft sieht man Diskussion und Austausch im open space zu einem breiten Themenspektrum das von Saatgut, Land Grabbing, FoodCoops, bis hin zu Agrarökologie und Hofgründung reicht. Ebenso bunt zeigt sich weiterhin die sprachliche Vielfalt des Forums. Gedolmetscht wird im Plenum in Rumänisch, Russisch, Türkisch, Griechisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Englisch und in den Kleingruppen je nach Möglichkeit. Dies erfordert zwar manchmal durchaus Geduld, stellt aber sicher, dass sich wirklich jede und jeder an den Gesprächen beteiligen kann.

Ernährungssouveränität in Osteuropa

Während wir uns in der österreichischen Delegation vor dem Zelt aufgrund der Kälte zeitlich diszipliniert und rasch gegenseitig über die laufenden Diskussionen des Forums updaten sowie über weitere geplante Aktivitäten austauschen, verläuft das Treffen der osteuropäischen Delegationen im geheizten Zelt überaus emotional. Die Situation ist für Kleinbäuerinnen und -bauern in dieser Region besonders schwierig. Sie werden in vielen mittel- und osteuropäischen Ländern als solche nicht von offizieller Seite anerkannt und erhalten daher keinerlei Unterstützung vom Staat. In Rumänien verschwinden so drei landwirtschaftliche Betriebe pro Tag.

Attila Szocs von Eco Ruralis, der lokalen rumänischen Organisation, die das Forum ausrichtet, hebt daher die Bedeutung des Forums für Rumänien hervor. Gerade die internationale Unterstützung ist wichtig um zu zeigen: ‚Look, we are powerful, we are not alone!’ Er spricht von Rumänien gerne als ‚wildem Osten’, da das Land seit den 2000ern als landwirtschaftliche Goldgrube gilt. Besonders zentral und gleichzeitig umstritten ist der Zugang zu Land, der durch die Politiken der Europäischen Union und dem rumänischen Staat zum Nachteil der Kleinbäuerinnen und –bauern bestimmt wird. Vernetzung und Solidarisierung innerhalb Europas im Rahmen des Nyéléni-Forums sind daher wesentlich für die Region.

Schließlich statten wir uns vor unserer Abreise mit lokalen Erzeugnissen aus, die am Markt vor dem Zelt verkauft werden. Mit Sanddorn-Honig, Seifen, Zacuscă – einer rumänischen Spezialität aus Paprika, Auberginen und Tomaten – und vielen neuen Kontakten und Projektplänen im Gepäck, geht es wieder zurück nach Österreich. Wir halten euch über die kommenden Aktivitäten auf dem Laufenden!

von Christina Plank

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