Gutes Essen für alle! Aber wie?

Tagung für Ernährungssouveränität Bericht über das Nyéléni Herbstforum

Vom 1.-3.November 2019 fand die Tagung für Ernährungssouveränität in der „Schule des Ungehorsams“ in der Tabakfabrik Linz statt.  Über das ganze Wochenende haben mehr als 200 Interessierte diskutiert, sich vernetzt und gemeinsame Perspektiven, sowie Hürden aufgezeigt.

Dabei war das große Thema des diesjährigen Forums „Gutes Essen für alle – aber wie?“.

Welches Essen wollen wir? Heute und in der Zukunft? Unter welchen Bedingungen wird es produziert?  Wer kann es sich leisten? Wer steht am Herd? Welche Verantwortung tragen Konsument*innen?

Im Laufe des Wochenendes haben wir viele Antworten gefunden! Inhalte konnten bei den zahlreichen Programmpunkten vielfältig diskutiert werden und es wurde viel Raum für Inspiration, Perspektiven und Ideen geschaffen.

So fanden am Freitag ein Crashkurs zur Ernährungssouveränität, sowie Exkursionen zu Betrieben mit Direktvermarktungsformen und zu Linzer Ernährungsinitiativen statt. Darüber hinaus ermöglichte der Markt der Ideen Vernetzung und das Kennenlernen interessanter Initiativen und Produzent*innen. Der Abend des ersten Tages wurde mit einer spannenden Podiumsdiskussion abgerundet, bei welcher Tom Boothe (kooperativer Supermarkt „La Louve“), Bernd Fischer (Dorfgenossenschaft „Ums Egg“) und Kurt Langbein (Filmemacher von u.a. „Zeit für Utopien“, Vorstellung der südkoreanischen Genossenschaft „Hansalim“) unter der Moderation von Julianna Fehlinger (ÖBV Via Campesina) zum Thema „Gut einkaufen- aber wie?“ diskutierten. Dabei wurden Projekte vorgestellt, die abseits des Lebensmitteleinzelhandels Konsument*innen ermächtigen, mit Produzent*innen direkt in Kontakt zu kommen und die Lebensmittelbeschaffung selbst zu organisieren. Diese Selbstermächtigung kann auch in großem Rahmen stattfinden, denn die Bauern von Hansalim versorgen 1,5 Millionen Südkoreaner mit regionalen Bio-Produkten und La Louve hat über 4500 Mitgliedern und wächst ständig. Bei allen drei Initiativen wurde im Plenum die Wichtigkeit und Unumgänglichkeit von Kooperation und Partizipation besprochen.

Am Samstag durften wir in der BAfEP- Bundes-Bildungsanstalt für Elementarpädagogik Linz zwei Parallel-Workshop-Blöcke am Vormittag und Nachmittag zu verschiedenen Themen rund um die Ernährungssouveränität veranstalten. Das Workshop-Spektrum umfasste eine breite Themenlandschaft, Teilnehmer*innen konnten in Kleingruppen mehr über Bäuerliche Rechte in Österreich, Bildungsarbeit, Klima und Migration, #FarmersForFuture, Ernährungsräte, Frauenrechte, Permakultur, sowie Lebensmittelabfälle erfahren. Bei einem Mitmach-Kochworkshop von der Community „Über den Tellerrand Linz“, welche uns auch über das Wochenende kulinarisch versorgte, kochten die Teilnehmer*innen gemeinsam mit Geflüchteten ein orientalisches Gericht.

Außerdem stellte Tom Boothe den Pariser kooperativen Supermarkt „La Louve“ vor, bei welchem die Mitglieder selbst im Geschäft mitarbeiten und in der Lage sind, sich bei einer großen Auswahl an Lebensmittel komplett eigenständig zu versorgen. Dabei liegt zwar indirekt der Fokus auf biologischen und minimal verarbeiteten Produkten, es wird aber den Mitgliedern freigestellt, welche Produkte in die Regale kommen sollen, denn das ist das wichtigste Prinzip der Kooperative- alle sind willkommen und nichts von der Produktpalette ist verboten. Laut Tom Boothe kann nur so gewährleistet werden, dass wirklich jede*r, der/die möchte, Mitglied von „La Louve“ werden kann (und nicht nur eine privilegierte Bevölkerungsschicht). Besonders ist an dem Supermarkt-Konzept auch, dass es möglich ist, ein niedriges Preislevel der Produkte zu halten, was unter anderem durch den Verzicht auf Marketing, die Größe des Supermarkts und die Partizipation der Mitglieder möglich ist.

Nach dem intensiven Workshop-Tag fand ein gemütlicher Ausklang samt Dokufilmabend und Musikprogramm statt. Dabei zeigte der Film „Die Bäuerin, das bin ich!“ das Portrait einer Kleinbäuerin, welche beschreibt, warum sie trotz Hürden und der schweren Hofarbeit weitermacht und so einen wertvollen Beitrag zur Landschaftspflege und für die dörfliche Gemeinschaft leistet. In der Schule des Ungehorsams in der Tabakfabrik heizten die Blues-Soul-Funk Band „Mojo Incorporation“ und DJ kala:hari die Tanzstimmung an. 

Am Sonntag haben wir bei einem guten Frühstück die letzten Tage Revue passieren lassen, Vernetzung weiter gefördert und die Tagung mit einer Foto-Aktion mit Gerhard Haderers lebensgroßen Cartoon-Kühen und Bannern vor der Tabakfabrik abgeschlossen.

Es gilt einen großen Dank an alle Mithelfenden, Besucher, Aussteller, Mitgestalter des Programms und alle anderen, die diese Tagung ermöglicht haben, auszusprechen! Außerdem bedanken wir uns herzlich bei der kulinarischen Versorgung, die neben „Über den Tellerrand Linz“ auch ermöglicht wurde durch die Versorgung mit tollen Produkten von KasLabn, PedaCola, Ackerlhof (Tofu), Brotatelier, BioWeinGut Sigrid Lehner, Familie Moser-Hofstadler (Milch),  EZA ( Kaffee/ Tee) und bei der Familie Hofer-Falkinger (Apfelsaft).

Das Forum wurde von ÖBV-Via Campesina Austria, FIAN Österreich und Attac Österreich initiiert, die sich als Teil einer immer breiter werdenden globalen Bewegung für Ernährungssouveränität begreifen.
www.ernährungssouveränität.at

Weitere Infos und Materialien

Video von der Abendveranstaltung
Gut Einkaufen – aber wie? Regional, bio und trotzdem leistbar – was durch Selbstorganisation alles möglich wird

Radiobeitrag nachhören

Eine Initiative für einen kooperativen Supermarkt in Wien

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Aktuelles von ÖBV - Via Campesina Austria. Permanenter Link des Eintrags.

Über ÖBV - Via Campesina Austria

Die ÖBV wurde 1974 als Österreichische Bergbauern- und -bäuerinnenvereinigung gegründet. Ursprünglich als basisdemokratische Interessensvereinigung von Bergbauern und Bergbäuerinnen gedacht, entwickelte sie sich im Lauf der Jahrzehnte zum Sprachrohr und zur „geistigen Heimat” von Berg- und KleinbäuerInnen in ganz Österreich. Dieser Weiterentwicklung wurde 2005 mit der Umbenennung in ÖBV-Via Campesina Austria (übersetzt: der kleinbäuerliche Weg) Rechnung getragen.

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